George Ettl

Foto: Stefan Hartler
G. Ettl mit 53 Jahren während der Entstehungsphase Heilig Geist Kirche in Neuss.
Georg Ettls Kunst trägt eine industrialisierte Handschrift, die eine Welt widerspiegelt, in der der Mensch sein eigener grösster Feind ist. Dabei ist es eine neutrale Beobachtung ohne moralisierenden Zeigefinger für ihn wesentlich, und dennoch lässt er den Einzelnen nicht aus der Verantwortung für sein eigenes Leben und seiner Umwelt.. Durch dieses Spannungsfeld schuf Ettl ein vielschichtiges Œuvre aus Skulpturen, Bildern, Raumausstattungen und Objekten.
1940 in Nittenau geboren, wächst Georg Ettl in Bayern auf, wandert 1959 nach Detroit aus und verfolgt eine Ausbildung zum Werkzeugmacher und technischen Zeichner. Ab 1961 studiert er Literatur und Philosophie an der Wayne State University, setzt es 1963/64 in Poitiers und Paris (Sorbonne) fort. Zurück in Detroit entscheidet er sich, sich der Kunst zu widmen (Bachelor of Arts 1966, Masters of Arts 1967, Masters of Fine Arts 1972) und lehrt von 1966 bis 1973 Kunst an Wayne State und Macomb College.
Technische Präzision und intellektuelle Tiefe prägen Ettls Werk bis zu seinem Tod: Nichts in seiner Kunst ist spontan. Sie ist vielmehr ein bestmöglich ausgearbeiteter, zeitloser Gedanke, der mit Hingabe und unzähligen Entwürfen auf den Punkt gebracht wurde. Frühe minimalistischen Arbeiten (1969 „Other Ideas“ mit de Maria, André, Flavin im Detroit Institute of Arts) teilen formale Ähnlichkeiten mit der Minimal Art der 70er, doch nicht deren depersonalisierte Vision.
Nach mehreren Einzelausstellungen in den USA zwischen 1971 und 1973 kehrt Ettl mit Frau und Tochter nach Deutschland zurück, lässt sich in Viersen nieder und unterrichtet 1974–1990 als Kunsterzieher am Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium.
Gleich nach seiner Rückkehr nach Deutschland schafft Ettl minimalistische Arbeiten mit Know-how-Fokus und Materialvielfalt von Blattgold bis Beton. Ab 1979 zitiert er in Aquarellen Motive aus Postkarten, Zoologiebüchern und Werken alter Meister, wie Giotto, Dürer und Caravaggio.
Ab 1986 führt er generische menschliche Profile ein, wobei das Profil des menschlichen Kopfes fortan zu seinem Markenzeichen wird.
1996 gründet er das Atelier Ettl und die gleichnamige Kunstmarke, welche bis heute ganz der Produktion erschwinglicher Kunstobjekte gewidmet ist.
Architektur prägt Ettls Werk von Anfang an – sei es in Bildsprache oder als Integration seiner Arbeit in die Architektur selbst. Sein berühmtes Fresko „Les Chevaux d’Oiron“ im Château d’Oiron in Deux-Sèvres/Frankreich, seine Glasmalerei in der Stiftskirche Saint-Bernard in Romans/Frankreich oder die vollständige Ausgestaltung der Heilig-Geist-Kirche in Neuss sind Beispiele des Versuchs die verlorene Verbindung zwischen Künstler und Architekt, sowie zwischen Geschichte und geschichtlichen Formen wieder herzustellen. 2002 erhält er den „Chevalier de l‘Ordre des Arts et des Lettres“.
Nach langer Krankheit stirbt er am 3. November 2014. Seine Urne ruht im Familiengrab in Viechtach.
Georg Ettl verstand Kunst als Sprache – klar, zugänglich, doch immer mit doppeltem Boden. Seine Werke verbinden präzise Form mit spielerischer Ironie und laden dazu ein, zwischen Zeichen und Bedeutung, Mensch und Technik, Form und Gefühl zu lesen.
Sein Œuvre wurzelt tief im amerikanischen Minimalismus: klare Linien, serielle Motive, strenge Silhouetten. Aus dieser minimalistischen Basis entwickelte Ettl eine eigenständige Bildwelt die wie archetypische Piktogramme wirken und dennoch von menschlicher Erfahrung, Ambivalenz und Humor erzählen.
Werke
1. RAUMSCHIFF MIT MENSCHEN
Wandskulptur, 2004
Unikat (1/3)
Aluminium 8mm, lackiert
280 x 145 cm

BILDZEICHEN AUS EINER ANDEREN WELT
In dieser leuchtend gelben Wandskulptur verwandelt Georg Ettl ein technisches Vehikel in ein menschliches Sinnbild: Zwei silhouettenhafte Köpfe sitzen hintereinander im elliptischen Innenraum eines Raumschiffs, das eher wie ein Zeichen als wie eine realistische Maschine wirkt. Das Werk erscheint wie ein poetisches Signal aus einer anderen Welt – halb Maschine, halb Symbol.
ETTLS BILDSPRACHE
„Raumschiff mit Menschen“ steht exemplarisch für Ettls Verständnis von Kunst als lesbare, aber mehrdeutige Sprache. Mit wenigen Linien deutet er eine ganze Erzählung an – zwischen Ironie und Ernst, zwischen spielerischer Bildidee und nachdenklicher Reflexion über unser Zusammenleben.
Preis auf Anfrage
NÄHE , DISTANZ UND GEMEINSAME REISE
Der enge Cockpit-Raum lässt Nähe und Distanz zugleich spürbar werden: Die Figuren teilen dieselbe Reise, blicken jedoch nach vorn, ohne sich zu sehen – eine Metapher für Kommunikation, Missverständnis und das Nebeneinander in einer komplexen, technisierten Welt. Das kräftige Gelb und die scharf geschnittenen Umrisse verleihen der Skulptur eine plakative Präsenz, die an Signalzeichen erinnert und die Betrachtenden direkt anspricht.

2. DAMEN AUF SOCKEL
Skulpturengruppe, 1994
Gusseisen
Höhe 265 cm
FIGURENGRUPPE MIT WUCHTIGER PRÄSENZ
„Damen auf Sockel“ ist eine Figurengruppe aus neun eigenständigen Skulpturen. Die schlanken, silhouettenhaften Körper stehen auf quaderförmigen Sockeln und wirken wie ausgeschnittene Schatten im Raum; trotz dieser grafischen Reduktion besitzen die Figuren eine wuchtige Präsenz, während die für Ettl typischen hochhackigen Schuhe die Eleganz der Silhouetten betonen und einen Bogen zwischen Anmut und Strenge spannen.
ARIATION UND STILLE COREOGRAPHIE
Jede „Dame“ variiert in Blickrichtung und Kniebeugung; aus diesen minimalen Verschiebungen entsteht eine leise Choreografie von Haltung und Gestik. Individualität und Wiederholung, Pose und Bewegung geraten so in ein spannungsvolles Gleichgewicht.
INSTALLATION IM CHÂTEAU D‘ANGERS
Auf dem Foto sind fünf der neun Figuren in einer Installation im Château d’Angers 1996 zu sehen: Vor der hellen Fensterfront zeichnen sich ihre Konturen im Gegenlicht scharf ab und verwandeln sich in grafische Zeichen im historischen Raum. In dieser Kombination aus wuchtiger Erscheinung, strenger Silhouette und architektonischem Umfeld öffnet Ettl einen Raum für Deutungen – von gesellschaftlichen Rollenbildern bis hin zu Fragen nach Sichtbarkeit und Repräsentation.
Aus der ursprünglichen Gruppe sind aktuell noch zwei Figuren verfügbar. Preis auf Anfrage

3. GOLDENER PUDEL
Skulptur, 1976
Unikat
Beton & Blattgold
42 x 49,5 x 41 cm
KITSCH, KLASSE & BETON - EIN GESELLSCHAFTHUND IM GOLDRAHMEN
In „Goldener Pudel“ lässt Georg Ettl einen vergoldeten Pudel als Relief aus einem schlichten, quadratischen Betonblock hervortreten. Die Kombination aus „billigem“ Baustoff und kostbar glänzendem Blattgold gehört zu einer Werkphase der 1970er Jahre, in der Ettl bewusst ungewöhnliche Materialpaare einsetzte, um alle Materialien als gleichwertig erscheinen zu lassen und Hierarchien in Frage zu stellen.
GLANZ UND KITSCH
Der goldene Hundekörper wirkt edel und zugleich ausdrücklich „kitschig“, weil das Blattgold nicht als erhabenes Material, sondern als Oberfläche eines dekorativen Gesellschaftshundes benutzt wird. Ettl entzieht dem Gold damit seinen traditionellen Sonderstatus und spielt mit Erwartungen an Wert, Geschmack und guten Stil. Die sachliche Form des Betonquaders verstärkt diesen Effekt, weil sie wie ein minimalistischer Sockel für ein überinszeniertes Motiv erscheint.
DAS TIER IM WERK VON GEORG ETTL
Tiere tauchen in Ettls Œuvre immer wieder auf – mal als seriell variierte Bildmotive, mal als einzelne, prägnante Figuren. Der Pudel erscheint im Gegensatz zu anderen Tieren nur ein einziges Mal in dieser Skulptur und wirkt dadurch wie ein pointierter Kommentar innerhalb seines Gesamtwerks: ein „Tierbild“, das zugleich über Kunst, Dekor und gesellschaftliche Rollen spricht.
DER PUDEL IN DEN 70ER JAHREN
In den 1970er Jahren war der Pudel in Westeuropa ein stark besetztes Gesellschaftssymbol: vom ehemaligen Jagd‑ und Wasserhund wandelte er sich längst zum modischen Begleiter, oft mit aufwendiger Schur, Parfüm und Accessoires. Er stand für bürgerliche Wohlanständigkeit, Eleganz und ein wenig Übertreibung – Eigenschaften, die Ettl in der goldenen, leicht überdrehten Erscheinung seines Pudels aufgreift und ironisch zuspitzt.
Preis auf Anfrage

4. DIE ARCHE NOAH
Grosses Sznenbild
Unikat 1/7
Multiplex Birke, 12mm
00 x 00 cm (muss die Grösse noch nachschauen)
BIBLISCHE SZENERIE ALS GESTECKTE KULISSE
„Arche Noah“ ist ein großformatiges Szenenbild, eines von insgesamt sieben Werken dieser Art. Alle Elemente bestehen aus einzeln gelaserten Silhouetten, deren dunkle Schnittkanten die Konturen grafisch scharf betonen und der Szenerie eine fast zeichnerische Wirkung verleihen. Jedes Teil besitzt unten kleine Zapfen, die passgenau in quadratische Öffnungen der Bodenplatte gesteckt werden, sodass ein dreidimensionales, allein durch sein Ineinanderstecken gehaltenes „Kulissen‑Ensemble“ entsteht.
HAUS STATT SCHIFF - EINE ANDERE ARCHE
Statt eines monumentalen Schiffes zeigt Ettl eine Arche, die wie eines seiner typischen Häuser erscheint: kompakt, mit klarer Silhouette, eher Architektur als Seefahrtsgerät. Zwischen hohen Palmen reihen sich die Tiere paarweise an, doch das Haus wirkt bereits dicht gefüllt mit Menschen – als wäre für die Tiere kaum mehr Platz. Die Szene spielt damit leise auf die Frage an, wem Rettung vorbehalten ist und wie eng es auf der Arche Menschheit geworden ist.
GEORDNETE PAARE UND AUSSCHERENDE WILDSCHWEINE
Die meisten Tiere stehen geordnet Seite an Seite, streng paarweise, wie man es aus traditionellen Noah‑Darstellungen kennt. Nur die Wildschweine springen in entgegengesetzte Richtungen auseinander – als kleine Störung im System, ein Moment von Unbändigkeit inmitten der Ordnung
VOM SZENENBILD ZUR SCHICHTHOLZFIGUR
Die großen steckbaren Szenenbilder – darunter „Arche Noah“ – bilden den unmittelbaren Vorläufer der bekannten einzelnen Schichtholzfiguren, die Ettl als Multiples unter dem Label „Atelier Ettl“ entwickelte. Während die Szenen noch ein erzählerisches Tableau formen, sind die daraus hervorgegangenen Schichtholzfiguren vollständig eigenständige Objekte, die unabhängig voneinander gestellt und kombiniert werden können.
GEORDNETE PAARE UND AUSSCHERENDE WILDSCHWEINE
Die meisten Tiere stehen geordnet Seite an Seite, streng paarweise, wie man es aus traditionellen Noah‑Darstellungen kennt. Nur die Wildschweine springen in entgegengesetzte Richtungen auseinander – als kleine Störung im System, ein Moment von Unbändigkeit inmitten der Ordnung
Biographie
EINZELAUSTELLUNGEN (Auswahl)
- 1971 Franklin Siden Gallery, Detroit
- 1972 Willis Gallery, Detroit
- 1973 Sill Gallery, eastern Michigan University, Ypsilanty, Michigan
- 1977 Städtisches Museum Mönchengladbach
- 1979 Galerie Konrad Fischer, Düsseldorf
- 1982 Feigenson Gallery, Detroit
- 1983 Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld
- 1987 Städtische Galerie im Cordonhaus, Cham/Oberpfalz
- 1987 Museum Schloss Hardenberg, Velbert
- 1991 Galerie Conrads, Düsseldorf
- 1995 Galerie Dumont, Bordeaux
- 1996 Château d'Angers, Angers
- 2000 "George Ettl, l'humain après Picasso" Frac Limousin & Musée de Romans
- 2000 "George Ettl, Le combat des rois" Abbaye de Saint-Savin sur Gartempe
- 2000 "George Ettl, Danses, Chapelle Jeanne d'Arc, Thouars
- 2016 Ausstellung "Georg Ettl Early Works", Jiri Svestka Gallery, Berlin
- 2018 "Georg Ettl, Zwischen Minimalismus & Barock, Stadtmuseum Deggendorf
GRUPPENAUSTELLUNGEN (Auswahl)
- 1967"Exhibition of Michigan Sculpture", Birmingham/Michigan
- 1969 "Other Ideas", Detroit Institute of Arts
- 1970 "Plastic Image", Birmingham, Michigan
- 1971 "Two Artists of 1971 from the Common Ground", zusammen mit Edmund Morais, Pennsylvania Acadamy of the Fine Arts, Philadelphia
- 1972 " All Michigan Exhibition", Flint Institute of Arts, Flint, Michigan
- 1979 "With a Certain Smile", INK, Zürich
- 1980 "Kick Out The Jams", Detroits Cass Corridar 1963 - 1977, Detroit Institute of Arts, Detroit, Michigan
- 1981 2. Ausstellung der Jürgen Ponto-Stiftung, Karmeliter-Kloster, Frankfurt/M
- 1984 "Heimat deine Sterne", Städt; Galerie Leerer Beutel, Regensburg
- 1988 "Schlaf der Vernunft", Museum Fridericianum, Kassel
- 1988 "Mythos Europa", Kunsthalle Bremen
- 1988-90 "BiNationale: Deutsche Kunst der späten 80er Jahre, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Städtische Kunsthalle, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf; The institute of contemporary Art, Museum of fine Arts, Boston; The Minneapolis Institute of Arts, Mineapolis; Museum of Contemporary Art, Houston
- 1989-90 "Color and/or Monochrome", MOMAK The National Museum of Modern Art, Tokyo und Kyoto
- 1994 Neuer Aachener Kunstverein, Aachen
- 2001 Altäre - Kunst zum Niederknien, museum-kunst-palast, Düsseldorf
- 2003 Une collection de "Chefs-d'oeuvre", Emprunts, pastiches, copies, citations et interprétations, FRAC Limousin, Limoges
- 2004 "Die weite Welt, Neues und selten Gesehenes aus der Graphischen Sammlung", Ludwigs Museum, Köln
- 2005 "Sculptures, la tentation de la figure", FRAC Limousin, Limoges
- 2007 "Les incontournables, FRAC Limousin, Limoges
- 2007 "New Arrivals and Classix", Galerie Hafenrichter & Flügel, Nuremberg
- 2008 "Motivation, Work, Implement", Jiri Svestka Prague, Prague
- 2008 "L'homme Merveilleux", Château de Malbrouk, Manderen
- 2008 "3D, oeuvres de la collection du FRAC Limousin, Espace culturel François Mitterand, Perigueux
- 2010 Galerie Marion Meyer Contemporain, Paris
- 2013/14 "L'art contemporain du vitrail en Allemagne", Chartres und Naumburg
ÖFFENTLICHE SAMMLUNGEN
- FRAC Limousin, Limoges
- Chateau d'Oiron, Oiron
- IAC, Institute d'art contemporain Villeurbann/Rhône-Alpes, Villeurbanne
- Ludwig Museum, Cologne
- Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach
- MOMAT The National Museum od Modern Art, Tokyo
KATALOGE, BÜCHER & PRESSE (AUSWAHL)
- Jay Belloli, Kick out the Jams: Detroits cass corridor 1963-1967, Katalog, Detroit Institute of Art
- Johannes Cladders, Georg Ettl, Katalog, Jürgen-Ponto-Stiftung, Frankfurt/M, 1981
- Richard Armstrong, Report from Detroit: was Cass Corridor a Style?, Art in America, 1982
- Julian Heynen, Georg Ettl: Hausordnung, Katalog, Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld, 1983
- Nena Dimitrijevic, Sculpture and is double, Katalog, The Sculpture Show, Hayward and serpentine galleries, London, 1983
- Veit Loers, Heimat deine Sterne, Katalog, Städtische gallerie, Regensburg, 1984
- Nena Dimitrijevic, Sculpture after evolution, Flash Art n° 117, 1984
- Nena Dimitrijevic, Meanwhile in the Real World, Flash Art n° 134, 1987
- Georg Ettl Objekte 1973-1976, Katalog Ausstellung Museum Schloss Hardenberg Velbert, Stadt Velbert. Text Cornelia Will, 1987
- Europa, Europa und der Stier, Kusthalle Bremen, 1988
- Julian Heynen, Nachmittag eines Museumsgängers, im Musée d'Egalité von Georg Ettl, katalog, Mythos
- Schlaf der Vernunft, Ausstellungskatalog, Fridericianum Museum, Kassel, 1988
- Christoph Blase, Schlaf und Stress der Vernunft, Wolkenkratzer Art Journal, N°3, 1988
- Binationale: Deutsche Kunst der 80er Jahre, Katalog, DuMont Verlag, Köln, 1988
- Arbeiten 1968-1989. Mit Texten (dt. und engl.) von Johannes Cladders, Helge Drafz, Jiri Svestka. Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1990
- Art, architecture, entretiens, Château d'Oiron, Bordeaux, 1997
- Johannes Cladders, Bilderwelten-Weltbilder. Zum werk von Georg Ettl. In: Heilig Geist Kirche Neuss, Regensburg, 2000
- Heilig Geist Kirche Neuss (Mit Texten von Johannes Cladders und Ines Kohl), Lichtung Verlag, Regensburg, 2000
- Oeuvres, Maquettes, Projets 1996-2000, FRAC Limousin
- Jean Hubert Martin, Altäre, Kunst zum Niederknien, museum-kunst-palast Düsseldorf, 2001
- Jeffrey Abt/Dennis Alan Nawrocki/Maryann Wilkinson: Up from the Streets,, detroit Art from the Duffy Warehouse Collection. Elaine L. Jacob Gallery wayne State University 2001
- Jutta Pitzen, Georg Ettl, Katalog Ausstellung Städtische Galerie im Park, Viersen, 2003
- Jutta Pitzen, Altaropfer und Heiligenvita. In Georg Ettl, Wandmalerein in der Pfarrkirche St. Remigius Viersen, Pfarrgemeinde St. Remigius, Viersen, 2004
- Heinrich Heine, Mappenwerk. Zusammen mit Felix Droese, Martin Lersch, Thomas Huber, Edition Horst Jansen, Viersen 2006
- Gerda Marie Voss, Heimat, Georg Ettl Retrospektive, B. Kühlen Verlag Mönchengladbach, 2015
Projekte & Werke
Das Vermächtnis von Georg Ettl umfasst sowohl herausragende Projekte im öffentlichen Raum als auch zahlreiche Werke, die sich heute in privaten und öffentlichen Sammlungen weltweit befinden. Die im künstlerischen Nachlass verbliebenen Werke sind für Ausstellungen verfügbar; ein Teil dieser Originalarbeiten steht derzeit zum Verkauf.
Das Vermächtnis von Georg Ettl umfasst sowohl herausragende Projekte im öffentlichen Raum als auch zahlreiche Werke, die sich heute in privaten und öffentlichen Sammlungen weltweit befinden. Die im künstlerischen Nachlass verbliebenen Werke sind für Ausstellungen verfügbar; ein Teil dieser Originalarbeiten steht derzeit zum Verkauf.
PROJEKTE
1. HEILIG GEIST KIRCHE, NEUSS ,1991-1999
Georg Ettl wandelte die Heilig-Geist-Kirche in den 1990er Jahren zu einem faszinierenden Gesamtkunstwerk. Von 1991 bis 1999 gestaltete er den Innenraum mit zeitgenössischen Wandmalereien, die biblische Motive aus Altem und Neuem Testament lebendig machen.
ETTLS EINZIGARTIGE FIGURENWELT
Mit seinen logoartigen, mechanisch-profilierten Silhouetten – flach oder reliefartig vervielfältigt – erzählt Ettl in drei kunstvoll verflochtenen Friesen Geschichten aus dem Evangelium. Klarheit und Humor prägen diese Narrative, die von Schöpfung über Sünde bis Erlösung und Apokalypse reichen.
EMOTIONEN IN HARMONIE
Seinen reduzierten Figuren verleiht er eine reiche Palette menschlicher Gefühle: gerissen, übermütig, grausam; gequält oder verletzt – doch stets durchdrungen von enthusiastischer Harmonie und gebanntem Ausdruck. Pastelltöne weben eine freudige visuelle Symphonie durch Friese, Fenster und Decken.
SYMBOLIK DER RÄUME
Altarwand: Strömende Gläubige in Nächstenliebe. Orgelwand: Apokalyptische Warnung mit Tod und Feuer. Seitenwände: Schöpfung versus Zerstörung (rechts, mit Atombombe), Kreuzweg und Auferstehung (links). Taufkapelle: Neun Labyrinthen aus verschiedenen Kulturen, Mythologien und Religionen – ein kraftvolles Sinnbild für den Lebensweg des Menschen, seine ewige Suche und die damit verbundenen inneren Kämpfe.
2. DIE PFERDE VON OIRON – CABINET DE CURIOSITÉS
DEUX-SEVES/FRANKREICH, 1992 -1993
Im Rahmen der öffentlichen Kommission „Cabinet de Curiosités“ erhielt Georg Ettl den Auftrag die gotische Galerie im Château d’Oiron neu zu gestalten. Es sollte die Verzierung der Fassade, die einst von Claude Gouffier (Nachfolger von König Heinrich II) zu Ehren seiner Pferde geschaffen wurde, wieder neu hergestellt werden.
IRONISCHE WIEDERBELEBUNG GOTHISCHER PRACHT
Ettl malte in präziser, authentischer Manier und in Anlehnung der noch sichtbaren
schwarzen Linien alter Gestütsmarken, acht heraldische Pferde an die Wand, die in vielfältigen Variationen, verspielt und ironisch die Galerie begleiten.
BRÜCKE ZWISCHEN EPOCHEN
Ettl, der die maßgebliche Bedeutung bildlicher Motive in der gotischen Architektur hervorhub, ließ diesen authentischen Geist wieder aufleben. Seine Arbeit schafft eine freche, lebendige Verbindung zwischen mittelalterlicher Heraldik und moderner Ironie – ein Tribut an Vergangenes, der die Fassade atmen lässt.
3. DIE APOKALYPSE, SAINT BERNARD /FRANKREICH, 1997-2000
1997 gewann Georg Ettl einen staatlichen Wettbewerb und erhielt den Auftrag, mit einem Glasermeister die Kirchenfenster zur Apokalypse des Johannes (letzte Kapitel) zu gestalten. Seine Entwürfe lösten in der Kirche Debatten über belehrende, textnahe Interpretationen aus.
FARBEXPLOSION DER OFFENBARUNG
Das Werk fasziniert durch farbenfrohe Fülle und Kontraste: symbolisch aufschlussreich, lebhaft-frappierend und zugleich unbarmherzig. Ettl schreibt dies dem epischen Charakter der Bibel zu – doch es spiegelt auch unsere Welt wider, in der Geld, Gewalt und Tod teuflische Mächte verkörpern.
THEMEN DER FENSTER
Die drei unteren Tafeln schildern die Hölle. Die zwei Haupttafeln zeigen den Einzug der Menschen in Jerusalem mitsamt ihren Leidensprozessionen. Weiter oben erstrahlt das neue Jerusalem. Erlöste Seelen baden in dynamischem, farbenfrohem Überschwang, umringt von freudig musizierenden Engeln.
Das zentrale Rundfenster stellt Gottes Abstammung dar.
4. DIE STARKE FRAU -MONUMENT IN VIERSEN, 2004
Die Skulptur aus lasergeschnittenem Corten-Stahl (Höhe 7,30 m) hieß ursprünglich „Frau mit Armen“ – der Titel wandelte sich mit der Zeit zum eingebürgerten Namen „Die Starke Frau“.
ETTLS INDUSTRIELLE ÄSTHETIK
"Köpfe ohne Gesicht und Blick, Figuren ohne Arme, geschlechtslos und nackt. Georg Ettl's Figuren sind Scherenschnittartig reduziert, kantig und schnörkellos und ohne ausgeprägte Details. … Von einer Handschrift im künstlerischen Sinne lässt sich nicht sprechen. Sie sind stets industriell gefertigt und mittels Laser aus Stahlplatten oder aus Holz ausgeschnitten. Ettl's Menschenbilder sind schlank, ohne Alter, als einziges Kleidungsstück tragen sie hochhackige Schuhe … Die Frauen haben lange Haare - einzig das unterscheidet sie von denen, die keine Haare haben. "Die schlichte, aber eindringliche Zeichensprache erhöht die Lesbarkeit für jeden …” ob jung oder alt, gebildet oder nur mit geringem Hintergrundwissen ausgestattet."
(Jutta Pitzen in: "Altaropfer und Heiligenvita", Georg Ettl, Städt. Galerie im Park Viersen, 2003)
SCHENKUNG AN VIERSEN
Die Skulptur ist ein Geschenk der Viersener Bürger an die Stadt zur Einweihung des neuen Stadthauses 2004 – im Eigentum der Stadt Viersen.
